Umgang mit Sterben und Tod in der Pflege: Unterstützung für Pflegerinnen & Pfleger

Lange Schichten und Stress in der Pflege, Konflikte im Team oder mit dem Arbeitgeber, kaum Zeit für sich und wenig Wertschätzung in der Pflege – den Pflegeberuf auszuüben, fordert Arbeitnehmenden viel ab. Die Motivation auf der Arbeit kann sich also schwierig gestalten – besonders dann, wenn der Alltag von Tod und Trauer begleitet wird. Wie geht man damit um, wenn Patientinnen und Patienten sterben? Was, wenn der Tod die Psyche belastet?

Wenn Patienten sterben: Umgang mit dem Tod in der Pflege

Nicht nur auf der Palliativstation spielt der Tod eine wesentliche Rolle im Alltag der Pflegenden – auch in der Pädiatrie, in der Neurologie, in der Onkologie, im Pflegeheim sowie in der häuslichen Betreuung und zahlreichen weiteren Pflegebereichen werden Pflegerinnen und Pfleger mit Sterbesituationen konfrontiert. 

Die schlechte Nachricht: Um das Sterben von Patienten kommen Pflegende meist nicht herum. Die gute Nachricht: Den Umgang mit dem Tod als Krankenschwester oder Pfleger kann man lernen. Denn obwohl es keine allgemeingültige Lösung für die Belastung durch den Tod gibt, können Pflegerinnen und Pfleger sich daran gewöhnen, dass Patienten sterben – und für sich passende Strategien entwickeln, um diese Sterbeprozesse zu bewältigen. Was den Umgang mit todkranken Menschen, mit dem Ableben von Patientinnen und Patienten sowie mit deren Angehörigen erleichtern kann, lesen Sie im Folgenden.

Tod und Sterben in der Pflege: Wie Pflegende das Sterben & den Tod bewältigen

Wenn Patienten sterben, kann das für Pflegende belastend sein. Das Wichtigste dabei: Richtig oder falsch gibt es hier nicht. Jede Pflegerin und jeder Pfleger sollte selbst für sich herausfinden, wie sie oder er mit der Situation umgeht. Dennoch gibt es Maßnahmen, um die Sterbesituation zu bewältigen – sowohl bei todkranken Menschen, bei denen der Tod absehbar ist, als auch bei Patientinnen und Patienten, deren Versterben plötzlich eintritt.

  1. Vor dem Tod – Umgang mit todkranken Menschen & Sterbebegleitung:

Nicht nur der Tod von Patientinnen und Patienten kann belastend sein – häufig ist auch schon die Zeit davor eine Herausforderung für Pflegekräfte. Diese Maßnahmen helfen beim Umgang mit Sterbenden:

  • Zeit nehmen: Sich Zeit für die im Sterben liegende Person zu nehmen, hilft dabei, sich mit der Situation auseinanderzusetzen und nicht unter der Belastung des nahenden Todes unterzugehen. Schaffen Sie gute Momente für sich und den bzw. die Kranke. Dadurch können Sie sich leichter auf das Bevorstehende einstellen, verbinden jedoch auch Positives mit der Person.
  • Routine beibehalten: Natürlich ist es wichtig, der Patientin bzw. dem Patienten Zeit und Fürsorge entgegenzubringen – doch es sollte nicht Ihren Alltag bestimmen. Behalten Sie Ihre Routine bei und achten Sie darauf, dass Ihr Tag nicht nur aus dem Umgang mit Tod und Sterben besteht.
  • Abwechslung ist wichtig: Abwechslung ist nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig. Verbringen Sie auch mit anderen Patientinnen und Patienten Zeit, trinken Sie einen Kaffee mit der Kollegin oder machen Sie an einem freien Tag einen Ausflug. Beschäftigung mit dem oder der Sterbenden ist wichtig, die Beschäftigung mit sich selbst darf dabei jedoch nicht zu kurz kommen.
  • Sich selbst verabschieden: Verschlechtert sich der Zustand der Patientin bzw. des Patienten, ist es Zeit, sich zu verabschieden. Am besten besuchen Sie die Person nach Ihrer Schicht und sprechen mit ihr. Wichtig ist hierbei: Setzen Sie sich Grenzen. Insbesondere dann, wenn Ihnen der bevorstehende Tod zu schaffen macht, dürfen Sie die Verabschiedung zeitlich begrenzen. Patientinnen und Patienten freuen sich in der Regel, wenn die Pflegerin oder der Pfleger sich Zeit für sie nehmen – auch wenn es nur eine viertel Stunde ist.
  • Stopp sagen: Wird Ihnen der Umgang mit dem Tod in der Pflege zu viel, dürfen Sie Stopp sagen. Unabhängig davon, ob es um eine bestimmte Person geht oder ob Sie den Tod allgemein als zu belastend in Ihrem Arbeitsalltag empfinden – Ihre Gesundheit sollte nicht an der Situation eines anderen leiden.
  • Lichtblicke suchen: Obwohl der Alltag in der Pflege von Sterbeprozessen begleitet wird, gibt es auch Patientinnen und Patienten, den es zunehmend besser geht. Rufen Sie sich diese Personen in Erinnerung und denken Sie über den Beitrag nach, den Sie zu deren Genesung geleistet haben.
  • Darüber sprechen: Während der Sterbebegleitung und auch danach kann es sinnvoll sein, über die Situation zu sprechen – denn auch, wenn Sie nicht zu den Angehörigen gehören, dürfen Sie Hilflosigkeit, Angst und Trauer empfinden. Kolleginnen und Kollegen, Freunde, aber auch der Arbeitgebende sind hier die richtige Anlaufstelle. Gegebenenfalls kann auch eine psychologische Betreuung sinnvoll sein.

 

  1. Nach dem Tod – Umgang mit dem Tod einer Patientin oder eines Patienten:

Unabhängig davon, wie viel Zeit man vorher mit der Patientin oder dem Patienten verbringt – das Ableben selbst ist meist dennoch ein Schock. Insbesondere dann, wenn der Tod unerwartet eintritt, kann die Situation für Pflegende und Angehörige belastend sein. Diese Maßnahmen helfen beim Umgang mit dem Tod:

  • Abschied nehmen: Nicht nur während des Sterbeprozesses ist ein Abschied angebracht – auch danach kann es helfen, die Person noch einmal zu sehen. Nehmen Sie sich diese Zeit und verabschieden Sie sich von dem oder der Verstorbenen.
  • Eine letzte Pflege: Die Würde geht über den Tod hinaus – und kann dabei helfen, abzuschließen. Eine letzte Pflege ist also sowohl ein Zeichen des Respekts gegenüber dem oder der Verstorbenen als auch eine Form des Abschiednehmens für die Pflegekraft.
  • Wünsche des Verstorbenen so gut es geht ermöglichen: Der oder die Verstorbene hatte Wünsche für die Zeit nach dem Tod? Versuchen Sie, diese zu ermöglichen. Doch Achtung: Sie sind nicht dafür zuständig, dass der letzte Wille des oder der Verstorbenen erfüllt wird. Solange es Ihnen damit gut geht, können Sie Ihr Bestes geben, die Wünsche zu erfüllen, doch wenn Sie merken, dass es Ihnen zu viel wird oder es Sie zusätzlich belastet, dürfen Sie diese Aufgabe an andere abgeben.
  • Für Abwechslung sorgen: Auch nach dem Tod ist Abwechslung wichtig. Zwar sollte man sich durchaus mit der Situation beschäftigen, diese sollte jedoch nicht den Alltag einnehmen.
  • Über die eigenen Gefühle sprechen: Die eigenen Gedanken vor Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder in einem professionellen Rahmen zu äußern kann dabei helfen, die Situation klarer zu sehen und damit abzuschließen.
  • Sich Zeit für sich nehmen: Nicht immer ist Reden die erste Wahl – manchen Pflegerinnen und Pflegern geht es besser, wenn sie nach dem Tod einer Patientin oder eines Patienten zunächst Zeit für sich haben, um ihre Gefühle und Gedanken zu ordnen. Aber Vorsicht: Kapseln Sie sich nicht ab. Wenn Sie merken, dass Sie die Situation alleine nicht bewältigen können, sollten Sie sich Hilfe suchen.
  • Normalität schaffen: Routine ist auch nach dem Ableben einer behandelten Person wichtig. Dadurch schaffen Sie einen Ausgleich zu der durch den Tod verursachten Belastung.
  • Schuldgefühle zulassen und daraus lernen: In manchen Fällen haben Pflegerinnen und Pfleger nach dem Ableben eines oder einer Gepflegten Schuldgefühle. Diese Gefühle sind völlig in Ordnung, solange sie nicht überhandnehmen. Nicht immer beruhen Schuldgefühle auf konkreten Ereignissen – doch wenn es so ist, versuchen Sie, diese Geschehnisse als Anlass zu nehmen, um sich selbst im Umgang mit Sterbenden zu verbessern und aus den Situationen zu lernen.

Sterben & Tod in der Pflege: Umgang mit Sterbenden & Angehörigen

  1. Umgang vor dem Tod: unterstützende Maßnahmen für die Pflege von Sterbenden

Sterbebegleitung assoziiert man zwar meist mit der Palliativpflege, kann jedoch auch die Aufgabe von Pflegerinnen und Pflegern ohne Palliativausbildung sein. Diese Maßnahmen unterstützen Patienten und Angehörige während des Sterbeprozesses:

  • Zeit mit dem Kranken verbringen: Ebenso wie für die Pflegenden ist auch für die Angehörigen Zeit ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, sich auf das Bevorstehende einzustellen. Sich dem Kranken zu widmen und Zeit miteinander zu verbringen, ist bereits vor dem Sterbeprozess sinnvoll, vor allem aber währenddessen. Schaffen Sie einen Raum, in dem Angehörige und Kranke sich geborgen fühlen.
  • Individualität schaffen: Gemeinsam lachen, ab und zu ein freundliches Lächeln oder nette Worte, die über die medizinischen Themen hinausgehen – Individualität stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Patient, Angehörigen und Pflegekraft.
  • Zuhören: In der letzten Lebensphase lassen viele Patientinnen und Patienten Vergangenes noch einmal Revue passieren, sprechen über Beziehungen, Freunde und Entscheidungen in ihrem Leben oder über ihre Wünsche, Sorgen und Ängste. Nehmen Sie sich Zeit für die Patientin bzw. den Patienten und zeigen Sie, dass Sie ein offenes Ohr haben.
  • Der Tod ist nicht tabu: Dass Sterbende häufig nicht über den Tod sprechen, liegt in der Regel nicht daran, dass sie es nicht möchten, sondern dass sie Angst davor haben und ihre Gefühle nicht in Worte fassen können. Geben Sie der Patientin bzw. dem Patienten die Möglichkeit, den Tod zu thematisieren. 

Fragen Sie nach, ob der- oder diejenige Angst hat, ob Fragen zum Sterbeprozess bestehen oder ob andere Maßnahmen gewünscht sind. Dadurch machen Sie den Tod greifbar und geben ihm eine Gestalt, mit der sich der oder die Sterbende, aber auch Sie als Pflegekraft auseinandersetzen können. Das erleichtert auch Angehörigen, dieses Gespräch zu beginnen. Wichtig ist jedoch auch: Blockt eine Patientin oder ein Patient ab und möchte nicht darüber sprechen, sollten Sie das respektieren. Machen Sie in diesem Fall dennoch deutlich, dass Sie für sie oder ihn da sind, wenn Redebedarf besteht.

  • Vorsorgemaßnahmen treffen: Vorsorgemaßnahmen wie das Testament oder die Patientenverfügung gehören zum Sterbeprozess dazu – und für viele Patientinnen und Patienten ist es eine große Erleichterung, wenn sie diese Formalia mit einer vertrauten Person besprechen können.
  • Der Tod bestimmt nicht den Alltag: Ebenso wie es wichtig ist, den Tod nicht zu tabuisieren, ist es ausschlaggebend, den Tod nicht zum alleinigen Gesprächsthema zu machen. Sorgen Sie auch hier für Abwechslung und geben Sie den Patienten und Angehörigen ein Stück Normalität zurück.
  • Sterbeprozess so angenehm wie möglich gestalten: Nicht immer schlafen Sterbende friedlich ein. Manche Prozesse ziehen sich lange hin und sind schmerzhaft. Stellen Sie fest, dass der oder die Sterbende Schmerzen hat, unterstützen Sie diese nach Möglichkeit in Form von lindernden Medikamenten und Zuwendung.
  • Unterstützung von außerhalb: Manche im Sterben liegende Patientinnen und Patienten fragen von selbst danach, anderen kann man es anbieten: Unterstützung kann auch von außerhalb kommen. Eine Sterbebegleitung in Form einer Palliativpflege sowie durch eine Pfarrerin oder einen Pfarrer, einen Priester oder andere religiöse Seelsorgemaßnahmen können der Patientin bzw. dem Patienten helfen.
  • Abschied ermöglichen: Abschied nehmen gehört zu den zentralen Themen während der Sterbephase. Ermöglichen Sie daher den Angehörigen und der im Sterben liegenden Person so gut es geht einen ungestörten Abschied.

 

  1. Ein angemessener Umgang mit Angehörigen von Verstorbenen
  • Zeit für Verabschiedung geben: Sowohl während der Sterbephase als auch danach hilft eine Verabschiedung von der sterbenden Person bzw. vom Leichnam dabei, die Situation zu begreifen und damit abzuschließen. Geben Sie den Angehörigen also die Zeit, die sie benötigen, um Abschied zu nehmen.
  • Zuhören: Wer eine nahestehende Person verloren hat, möchte oft über sie reden und Erinnerungen wecken. Als Pflegekraft der oder des Verstorbenen kann es vorkommen, dass sich Angehörige an Sie wenden, um mit Ihnen über die verstorbene Person zu sprechen. Sofern es Ihnen möglich ist, geben Sie den Angehörigen diese Möglichkeit und hören Sie ihnen zu.
  • Gefühle zulassen: Nicht immer verlaufen die Gespräche mit Verwandten und anderen nahestehenden Personen reibungslos. Auch Wutausbrüche, Verzweiflung, Tränen und Schuldzuweisungen können vorkommen. Solange diese Gefühle Ihnen gegenüber nicht respektlos oder beleidigend sind, lassen Sie sie zu. Manchmal brauchen Trauernde einen Sündenbock, um die Situation verarbeiten zu können.
  • Aktiv werden lassen: Nach dem Tod der Patientin bzw. des Patienten wird der Leichnam versorgt und in die Leichenhalle gebracht. Lassen Sie die Angehörigen, wenn diese das möchten, Ihnen dabei helfen oder Ihnen dabei zusehen, wenn Sie die verstorbene Person säubern. Das kann den Angehörigen das Gefühl der Hilflosigkeit nehmen und gibt ihnen die Möglichkeit, dem oder der Verstorbenen noch etwas Gutes zu tun. 
  • Beratung zum Umgang nach dem Tod: Für die meisten Menschen bricht eine Welt zusammen, wenn eine nahestehende Person stirbt und sie wissen nicht, was nach dem Tod zu tun ist. Vermitteln Sie die Angehörigen an eine fachkundige Person zum weiteren Prozedere, zum Beispiel zur Trauerfeier und Bestattung.
  • Begleitung suchen: Einige Personen sind mit dem Tod eines oder einer Verwandten allein. Bieten Sie Ihnen an, eine Freundin oder einen Freund anzurufen, der sie dabei unterstützt.

Vorsicht: Für Angehörige da zu sein und sie beim Trauerprozess zu begleiten, gehört ebenso zum Pflegeberuf wie die Pflege selbst. Dennoch sollten Sie auch hier möglichst neutral bleiben und sich nicht emotional mitreißen lassen. Sie können die Angehörigen unterstützen, sind jedoch nicht dafür verantwortlich, ihnen durch die einzelnen Trauerphasen zu helfen. Setzen Sie klare Grenzen und achten Sie auf Ihre eigene mentale Gesundheit.

Unser Fazit zum Umgang mit Sterben & Tod in der Pflege

Der Umgang mit dem Tod und dem Sterben in der Pflege kann belastend sein, kann jedoch auch erlernt werden – denn genauso wie Betten frisch zu überziehen und Patientinnen und Patienten gesundheitlich zu versorgen, gehört die Pflege während des Sterbens und nach dem Tod zum Beruf. Wichtig ist dabei vor allem: Achten Sie auf sich selbst. Den Sterbenden bzw. die Sterbende und Angehörige von Verstorbenen zu unterstützen, sollte niemals über Ihr eigenes Wohlbefinden hinausgehen.